Produkte und Kriterien

Ein 2000-Watt-Areal ist an den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft ausgerichtet. Zusätzlich erfüllt es Kriterien aus sechs Bereichen: Gefordert sind ein transparentes Managementsystem, partizipative Kommunikation, vielfältige Arealnutzungen, nachhaltige Ver- und Entsorgung (Energie, Wasser, Abfall), wirtschaftliche, ressourcenschonende und klimafreundliche Gebäude und Mobilität.

Ein Zertifikat, drei Ausprägungen

Je nach Phase, in der sich ein Areal befindet, kann es zertifiziert werden als 2000-Watt-Areal «in Entwicklung», «in Betrieb» oder «in Transformation».

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In Entwicklung

Für neue Areale, die sich gerade in der Planungs- oder Realisierungsphase befinden. Der Sollzustand des Areals darf dabei maximal 20 % Bestandsbauten enthalten.

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In Betrieb

Für neue Areale, bei denen bereits mehr als 50 % der Gebäudefläche genutzt wird.

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In Transformation

Für bestehende Areale/Quartiere, die noch nicht nach den Kriterien der 2000-Watt-Areale geplant wurden, aber im Zuge einer Modernisierung nachhaltiger werden möchten.

Zusatzauszeichnung ZERO

Ein besonders nachhaltiges Areal kann zum 2000-Watt-Areal-Zertifikat noch die Zusatzauszeichnung ZERO erhalten (möglich in allen Ausprägungen «in Entwicklung» «in Betrieb» und «in Transformation). Sie belegt, dass die benötigte Energie für den Betrieb ausschliesslich aus erneuerbaren Energien, Abwärme oder Abfall stammt. Somit fallen im laufenden Betrieb für Strom, Wärme, Abwärme und Fernwärme kaum Treibhausgasemissionen an. Ein Areal mit der Zusatzauszeichnung ZERO erfüllt nachweislich bereits heute (und nicht erst 2050) das dritte Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft: «100 % erneuerbare Energieversorgung». Zudem trägt es zum Ziel «Netto Null» der nationalen Energiestrategie bei.

Kriterien:
Energetisch und sozial nachhaltig

Die Kriterien, die ein 2000-Watt-Areal erfüllen muss, orientieren sich an den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft. Daher zielen sie insbesondere auf Energieeffizienz, Klimaneutralität (Netto-Null) und erneuerbare Energieversorgung ab. Durch möglichst vielfältige Massnahmen sollen die 2000-Watt-Areale ihre Treibhausgasemissionen senken und ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Bereits heute decken die zertifizierten 2000-Watt-Areale ihren Energiebedarf im Betrieb durchschnittlich mit 90 % erneuerbaren Energien.

Neben den hohen Ansprüchen an Energie und Klimaschutz geht es in einem 2000-Watt-Areal auch um ein nachhaltiges, lebendiges Quartierleben und das Wohlergehen der Nutzenden: Mitspracherecht, vielfältige Dienstleistungen vor Ort, ein gutes Miteinander, kurze Wege, Sharing-Angebote, gut gedämmte Gebäude für angenehmes Raumklima, nachhaltige Mobilität. Sie sorgen dafür, dass sich die Mieterinnen und Mieter wohl fühlen und sich eine stabile, langfristig bestehende Gemeinschaft etabliert.

Der Weg zum 2000-Watt-Areal

2000-Watt-Areale «in Entwicklung» werden – im Rahmen der Zertifizierung – direkt so geplant und realisiert, dass sie einen wichtigen Beitrag zur Zielerreichung der 2000-Watt-Gesellschaft leisten können. Im Betrieb müssen sie dies dann definitiv nachweisen. Bestehende Areale, die eine Zertifizierung in Transformation anstreben, erarbeiten einen Transformationspfad, um die Ziele zu einem bestimmten Zeitpunkt (max. 20 Jahre) zu erreichen.

Quantitative Kriterien

Um zertifiziert zu werden, muss ein Areal quantitative und qualitative Kriterien erfüllen. Als quantitative Kriterien gelten die Zielwerte aus dem aktuellen SIA-Effizienzpfad Energie (SIA Merkblatt 2040). Die Zielwerte sind je nach Gebäudekategorie unterschiedlich, zudem gibt es unterschiedliche Werte für Neubauten, Umbauten und Bestand.

Zum Berechnen und Nachweisen der Werte dient die Rechenhilfe II.

Treibhausgasemissionen

Bilanziert werden für das gesamte Areal die Treibhausgasemissionen für

  • die Erstellung (Herstellung von Baumaterialien und Gebäudetechnikkomponenten, Erhalt, Erneuerung und Entsorgung des Gebäudes)
  • den Betrieb (gelieferte Energie, rückgelieferte Energie, Eigenproduktion)
  • die standortabhängige Alltagsmobilität (Betrieb, graue Energie der Fahrzeuge, graue Energie der Infrastruktur)

Beispielwerte für die Kategorie Wohnen

Zielwert für Treibhausgasemissionen bei Neubauten: 16.5 kg/m²

  • Richtwert Erstellung: 8.5 kg/m²
  • Richtwert Betrieb: 2.5 kg/m²
  • Richtwert Mobilität: 5.5 kg/m²

Zielwert für Treibhausgasemissionen bei Umbauten: 15.5 kg/m²

  • Richtwert Erstellung: 5.0 kg/m²
  • Richtwert Betrieb: 5.0 kg/m²
  • Richtwert Mobilität: 5.5 kg/m²
Primärenergieverbrauch

Bilanziert wird für das gesamte Areal

  • der nicht erneuerbare Primärenergieverbrauch für Erstellung, Betrieb und Mobilität
  • der Primärenergieverbrauch gesamt (bildet den Ressourcenverbrauch ab) für Erstellung, Betrieb und Mobilität

Beispielwerte für die Kategorie Wohnen

Zielwert für Primärenergie nicht erneuerbar bei Neubauten: 440 MJ/m²

  • Richtwert Erstellung: 110 MJ/m²
  • Richtwert Betrieb: 200 MJ/m²
  • Richtwert Mobilität: 130 MJ/m²

Zielwert für Primärenergie nicht erneuerbar bei Umbauten: 440 MJ/m²

  • Richtwert Erstellung: 60 MJ/m²
  • Richtwert Betrieb: 250 MJ/m²
  • Richtwert Mobilität: 130 MJ/m²
Systemgrenze

Nicht erfasst werden die Ernährung sowie die Konsumgüter und nicht-alltägliche Mobilität (z. B. Freizeit).

Detaillierte Kriterien

Qualitative Kriterien

Der Kriterienkatalog für die qualitativen Anforderungen ist für alle drei Zertifikatsausprägungen (in Entwicklung, in Betrieb, in Transformation) gültig. Mit Hilfe eines Management-Tools bewerten die 2000-Watt-Areal-Beratenden die qualitativen Kriterien.

1. Managementsystem

1.1 Arealträgerschaft

Die Arealträgerschaft ist langfristig verbindlich organisiert. Sie ist handlungsbevollmächtigt, die nötigen Massnahmen umzusetzen, um das 2000-Watt-Areal-Zertifikat zu erlangen und zu erhalten.

1.2 Leitbild und Pflichtenheft

Die Arealträgerschaft hat Ziele, Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu den Themen der 2000-Watt-Gesellschaft (Energieeffizienz, Klimaneutralität, erneuerbare Energieversorgung) auf allen Ebenen verbindlich geregelt und übergeordnet abgestützt. Die Inhalte sind auch verbindlich an die Nutzenden zu übertragen.

1.3. Monitoring

Ein langfristiges Monitoring erhebt und bewertet die im Areal verbrauchte Energie und die ausgestossenen Treibhausgase (für Gebäudebetrieb und standortabhängige Alltagsmobilität). Auch das Mobilitätsverhalten wird im Betrieb erhoben.

1.4 Kontrolle, Steuerung

Die Arealträgerschaft führt ein Qualitätsmanagement auf allen Ebenen durch, um die quantitativen und qualitativen Ziele – und somit das 2000-Watt-Areal-Zertifikat – zu erreichen und zu erhalten.

2. Kommunikation, Kooperation, Partizipation

2.1 Partizipation

Die Arealträgerschaft erfasst die relevanten Stakeholder für Planung, Realisierung und Betrieb des Areals, analysiert ihre Rollen und beteiligt sie angemessen am Prozess.

2.2 Nutzerinformation und -angebote

Die Arealträgerschaft sensibilisiert die Nutzenden mit regelmässigen Informationen und Angeboten für eine effiziente Energienutzung und ein umweltschonendes Mobilitätsverhalten.

2.3 Vorbildwirkung

Die Arealträgerschaft kommuniziert regelmässig nach aussen, welche vorbildlichen Aktivitäten sie umsetzt, um die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft zu erreichen. Sie macht Erfolge sichtbar. Dazu definiert sie verschiedene Anspruchsgruppen und spricht sie an. 

3. Arealnutzung und Städtebau

3.1 Städtebau

In einem kooperativen Prozess wird das städtebauliche Entwicklungskonzept ermittelt und verbindlich festgesetzt. Dafür wird ein geeignetes Auswahlverfahren gewählt, welches auch die 2000-Watt-relevanten Kriterien einbezieht. Es werden Massnahmen getroffen, um die negativen Auswirkungen der Arealentwicklung auf das Stadtklima zu mindern.

3.2 Nutzungsdiversität

Die Arealträgerschaft analysiert das vorhandene und zu erwartende Nutzungsspektrum und sorgt für einen vielfältigen Mix der Nutzungen und Nutzenden im Areal, welche auf die umliegenden Siedlungsgebiete und Freiräume abgestimmt sind. Dadurch wird eine soziale Durchmischung und eine hohe Funktions- und Interaktionsdichte erreicht.

3.3 Halböffentliche und öffentliche Räume

Die Arealträgerschaft sorgt dafür, dass im Areal genügend publikumsorientierte Erdgeschossflächen, Innen- und Aussenräume als Begegnungsorte angeboten und genutzt werden. Dies stellt eine hohe Aufenthaltsqualität sicher und garantiert eine Belebung des Areals.

3.4 Nahversorgung

Auf dem Areal und in der näheren Umgebung sind soziale Einrichtungen und Angebote des täglichen Bedarfs vorhanden. Diese orientieren sich an der Struktur der Nutzenden. Derartige Angebote ermöglichen, dass die Nutzenden ihren individuell gewählten Lebensstil mit deutlich tieferem Ressourcenverbrauch führen können.

4. Ver- und Entsorgung

4.1 Energie

Die im Areal verbrauchte Energie wird in hohem Masse vor Ort auf dem Areal oder lokal produziert und weist eine hohe ökologische Qualität auf.

4.2 Wasser

Die Wasserversorgung und der Wasserverbrauch auf dem Areal folgen dem Prinzip der Ressourceneffizienz. Der Wasserverbrauch wird regelmässig geprüft und optimiert.

4.3 Abfall und Recycling

Abfälle sind zu reduzieren oder ganz zu vermeiden. Abfall wird auf dem Areal getrennt gesammelt, um ihn optimal weiterverwenden oder energetisch nutzen zu können. Die Abfallmengen werden regelmässig geprüft und optimiert.

5. Gebäude

5.1 Wirtschaftlichkeit

Die langfristige Wirtschaftlichkeit (Lebenszykluskosten) spielt bei Investitionsentscheiden für Produkte und Dienstleistungen der Arealträgerschaft eine wichtige Rolle.

5.2 Gebäudestrategie

Die Arealträgerschaft legt die Gebäudestrategie im Sollzustand fest. Dabei stützt sie sich auf qualifizierte Auswahlverfahren/Entscheide.

5.3 Gebäudestandard/Betriebsoptimierung

Die Arealträgerschaft strebt die bestmöglichen Gebäudestandards mit hohen Anforderungen für Energie und Klimaschutz sowie für das Nachhaltige Bauen an, realisiert diese und sorgt für einen optimierten Gebäudebetrieb.

5.4 Nutzungsdichte

Die Personenflächen im Areal sind so optimiert, dass sie die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft unterstützen. Denn je mehr Personen in einem Areal wohnen und arbeiten, umso tiefer fallen die Umweltauswirkungen und die Energieverbräuche pro Person aus).

6. Mobilität

6.1 MIV

Die Arealträgerschaft optimiert den motorisierten Individualverkehr (MIV), indem sie die Autoabstellanlagen auf eine tiefe Nachfrage ausrichtet und Kosten verursachergerecht anlastet. Sie nutzt Erträge, um Alternativen zur automobilen Mobilität zu finanzieren bzw. um Anreize für eine nachhaltige Mobilität zu schaffen.

6.2 Fuss- und Veloverkehr

Die Arealträgerschaft fördert den Veloverkehr durch optimal gelegene Veloabstellplätze, deren Anzahl sich mindestens am Bedarf orientiert. Die Abstellanlagen genügen hohen Qualitätsansprüchen. Die Arealträgerschaft sorgt dafür, dass Wege für Fuss- und Veloverkehr auf dem Areal attraktiv und sicher sind.

6.3 ÖV und kombinierte Mobilität

Die Arealträgerschaft setzt sich dafür ein, dass Alternativen zur automobilen Mobilität vorhanden, attraktiv und nutzerorientiert ausgestaltet sind. Die Arealträgerschaft sorgt für eine regelmässige Bedarfsabklärung und eine darauf abgestützte Optimierung der Angebote.

Detaillierte Kriterien